Mittwoch, 30. Oktober 2013

20 Fragen an dich




Als Antwort auf "20 Dinge über mich", mit denen sich gerade viele in ihren Blogs vorgestellt haben, erlaube ich mir, mich dir mit "20 Fragen an dich" vorzustellen - inspiriert von der vorletzten Seite der "Vogue", wo es heißt: "Erfahren sie etwas über sich - und über die Fragestellerin". Viel Spaß! 

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Was würdest du gern noch unzählige Male tun?

Wenn du eine geometrische Form wärst, was wärst du dann? 

Singst du oder fluchst du im Straßenverkehr?

Ist es wichtig, immer verstanden zu werden?

Magst du Menschen auch dann, wenn sie dir ein Rätsel sind?

Bei welchen Menschen bist du positiv voreingenommen?

Ist es möglich, ohne Kunst zu leben?

Wie oft am Tag denkst du an die Objekte deines Begehrens?

Wieviel Phantasie fügst du deinen Erinnerungen hinzu?

Was sind deine Ausreden?

Sind die Spannungsfelder in deinem Leben eine Quelle der Kreativität?

Gibt es eine Gesetzmäßigkeit, die du gern außer Kraft setzen würdest?

Rebellierst du im geheimen oder offen?

Wie beeinflusst du das Weltgeschehen?

Warst du schon einmal in jemanden verliebt, der gänzlich unmöglich ist?

Hörst du Straßenmusikern zu?

Was machst du mit der Tatsache, dass wir nicht wissen, warum wir hier sind?

Wen würdest du als Schauspieler/in gerne spielen: den positiven, den zwiespältigen oder den korrupten Charakter?

Könnte alles ganz anders sein, als du denkst? 

Genug gefragt?

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Samstag, 5. Oktober 2013

Allegro con grazia





Quelle: Wikipedia



Einen Moment lang traue ich meinen Ohren nicht.

Die Leiterin des Tanztheater-Workshops hat Musik zum Thema "Erinnerungen" angekündigt, und wir hatten etwas Eingängiges, Tanzbares erwartet. Stattdessen erklingt der zweite Satz aus Tschaikowskis 6. Sinfonie, und nun sollen wir daraus eine tänzerische Idee entwickeln.

Ich kenne das Allegro con grazia. Ich weiß noch, wie es uns in zahlreichen Orchesterproben mit einer Besonderheit herausforderte: Es wurde im Fünfviertel-Takt komponiert. Und dieser hat einen sehr eigenwilligen Charakter.

Wir sind noch lange nicht bei Brubecks jazzigem Take Five angekommen. Wir befinden uns in Russland, im Jahr 1892. Tschaikowski schaut in seiner Sinfonie auf ein Leben voller Rückschläge zurück, und dafür hat er eine Taktart gewählt, der sich dem ordnenden klassischen Ohr widersetzte.

Dabei erscheint das Allegro con grazia zunächst wie ein Lichtblick in der sonst sehr düsteren Sinfonie. Doch was wie ein Walzer anmutet, erhält durch den 5/4-Takt einen eigenartig stolpernden Charakter. Dies wird durch den Kontrast zur verspielten Melodiestimme noch verstärkt, wodurch eine geradezu spukhafte, gespenstische Stimmung entsteht.

Wer aufmerksam hinhört, merkt sehr bald: Das hier ist kein heiterer Tanz, ist keine Reminiszenz an glückliche Zeiten. Nicht die Melodie, sondern der darunter liegende Rhythmus gibt dem Stück Gestalt und Charakter. Und was tänzerisch daherkommt, ist in Wahrheit voller hintergründiger Bedrohlichkeit. 

Für uns Musiker war es unmöglich, uns mitreißen zu lassen: Wer nicht wachsam war und strikt mitzählte, wurde prompt aufs musikalische Glatteis geführt und flog aus dem Takt. Später noch unterstützt durch eine stetig pochende Pauke, flüstert einem die Metrik warnend zu: Achtung! Hier ist nichts so, wie es scheint.

Dies also ist mein Beitrag zum Tanztheater-Workshop:

Ein Schwarm pastellfarbener Wesen schwebt über die Tanzfläche - sie sind die Verkörperung von Illusionen und verklärenden Erinnerungen. Ihr Tanz wird durchkreuzt von fünf unförmigen Figuren, die sie immer wieder daran hindern, ihre Bewegungen elegant zu vollenden. Vergeblich ist ihr Versuch, den Raum in ein Traumland zu verwandeln. Diese Fünf sind diejenigen, die hier den Takt angeben, mit unbeugsamer und beschwörender Beharrlichkeit.

Eins zwei drei vier fünf...
Eins zwei drei vier fünf...
Eins zwei drei vier fünf...


Tschaikowski, Sinfonie Nr. 6 "Pathétique"
2. Satz: Allegro con grazia
Orchestra del Teatro alla Scala di Milano, Yuri Termikanov
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